Historie

Chronik

Mittlerweile kann die Freiwillige Feuerwehr Schloß Ricklingen mit Stolz auf eine 75jährige Tätigkeit im Dienst und zum Wohle der Allgemeinheit zurückblicken. Doch war es ein langer Weg von der alten Feuerlöschordnung aus dem Jahre 1710 bis zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehren. Alle männlichen Bürger der Gemeinde vom 16. bis zum 60. Lebensjahr waren damals verpflichtet, im Ernstfall am Brandherd zu erscheinen. Eine geübte und mit der Sache vertraute Mannschaft stand somit nicht zur Verfügung. Nicht selten führte dieser Mangel zu verheerenden Brandkatastrophen. Aus dieser Not heraus bildeten sich – über die Turnerfeuerwehren- noch vor der Jahrhundertwende, zunächst in den finanzkräftigeren Städten und Gemeinden, die ersten Freiwilligen Feuerwehren. Erst später, vornehmlich in den zwanziger Jahren, schlossen sich auch in den ländlichen Gemeinden beherzte Männer zusammen, um gemeinsam Leben, Hab und Gut gegen den „roten Hahn“ und andere Gefahren zu schützen.

Diesen Feuerwehrmännern standen vor der Anschaffung der ersten bespannten Spritze – um 1870 – nur Ledereimer, die in Eimerketten eingesetzt wurden, zur Verfügung. Jeder Haushalt des Dorfes war damals lt. Gesetz verpflichtet, einen einsatzfähigen Ledereimer sowie einen Mann zur Verfügung zu stellen.

Die erste bespannte Spritze war klein und hatte einen kleinen eisernen Bottich, der durch Eimerketten gefüllt wurde. Die Bedienung und Wartung dieser Spritze, der Schläuche und Gerätschaften erforderte damals eine recht zahlreiche Mannschaft. Allein 24 Männer waren im Ernstfall zum Einsatz der Handdruckspritze erforderlich, um durch ständigen Austausch von zwei 6-er Gruppen an den Pumpenholmen eine stätige Wasserversorgung über einen längeren Zeitraum sicherzustellen. Da die damaligen Spritzen noch mit Pferdekraft gezogen wurden, hatte man einen so genannten Spanndienst eingeführt. In besonders einsatzkräftigen Zeiträumen kam es sogar soweit, dass die Pferde über Nacht in ihren Geschirr bleiben mussten.

Aus dieser Zeit stammt folgende Anekdote:

Das Spritzenhaus am Born (1870-1964) war auch zugleich Obdachlosenasyl, d.h. es wurden hier fremde Überlandfahrende und reisende Handwerksgesellen über Nacht eingeschlossen, u.a. auch ein Drehorgelmann. In jener Nacht ergab es sich, dass ein Großbrand in Bordenau ausbrach. Die Ricklinger wurden mit dem dunkel eintönig klingenden Feuerhorn alarmiert. Die Spritze wurde rausgefahren, es wurde angespannt, und ab im Galopp. Am Rett´mer Berge wurde die Handbremse dann endgültig gelöst und mit lautem Getöse ging´s los. Fahr´n wir mal nach Bordenau, Bordenau………
doch plötzlich, was war das, da hatte man doch in der Dunkelheit oder im Suff, das falsches Fahrzeug erwischt, die Kutsche. 1903 erhielt die Pflichtfeuerwehr eine größere bespannte Spritze, mit der man für damalige Zeiten beachtliche Leistungen vollbringen konnte. An Personal wurden 2 mal 8 Personen (Spritzenmänner) benötigt zusätzlich noch eine Ablösungsmannschaft. Diese Spritze hat bis zum Jahr 1952 ihren Dienst erfüllt. Dann wurde sie leider verschrottet, mehr oder weniger aus Platzmangel.

Im Dezember 1933 wurde durch Gemeinderatsbeschluß die freiwillige Feuerwehr Schloß Ricklingen beim Landkreis Neustadt a. Rbge. angemeldet.

1.Brandmeister: Heinrich Brandt,
wohnhaft Schloß Ricklingen No. 14.
Stärke der damaligen Wehr: 18 Mann.

Am 23.09.1935 erhielt die Feuerwehr dann ihre erste Motorspritze der Firma Fladen wohingegen bereits im Sommer 1934 die ersten Uniformen u. Ausrüstungsgegenst.nde übergeben wurden.

1954 folgte dann eine neue Motorspritze METZ TS 8 mit VW– Industriemotor. In dieser Zeit fanden auch schon Grundlehrgänge in der Turnhalle der Nordstraße in Wunstorf, im Saal bei Thiele in Schloss Ricklingen und in anderen Orten des Unterkreises statt, an denen auch Feuerwehrkameraden aus Wunstorf als Ausbilder tätig waren.
1964 erfolgte dann der Ausbau des alten Gerätehauses und die Anschaffung eines Löschfahrzeuges METZ – Daimler- Benz LF 8/TS mit Motorpumpe.
1973 wurde dann das neue Gerätehauses am heutigen Standort gebaut, um auf Grund des fortschreitenden Ausbaus des Dorfes einen zentralen Platz zu haben.
Am 27.04.1976 wurde dann der erste Manschaftstransportwagen angeschafft und im Jahre1980 übernahm die Feuerwehr Schloß Ricklingen ihr heißgeliebtes Tanklöschfahrzeuges TLF 16 Baujahr 1955, trotz Alter ein Fahrzeug in gutem technischem Zustand. Ergänzt wurde dieses „Neufahrzeug“ erst 1988 durch die Übergabe eines neuen Löschgruppenfahrzeuges 8.
Ein neuer Mannschaftstransportwagen musste 1993 auf Grund eines tragischen Todesfalls angeschafft werden, da der Fahrer während der Fahrt verstarb und dadurch der alte Wagen einen Totalschaden hatte.Am 01.08.1994 konnten uns dann dieses Fahrzeug bei einem unsere größten Einsätze gute Dienste leisten. Als gegen 3:45 Uhr ein Blitz in das Wohnhaus der Familie Heger einschlug und kurz darauf die Sirenen heulten, konnte keiner erahnen, dass uns dieser Einsatz einige Stunden beschäftigen würde. Schon auf der Fahrt zum Gerätehaus konnte man den Feuerschein über dem Dorfe sehen, so dass eine sofortige Nachalarmierung weiterer Kräfte umgehend erfolgen musste. Aber selbst die insgesamt 80 Feuerwehrkräfte konnten das Wohnhaus und die angrenzende Scheune im Gesamtwert von ungefähr 350.000,-DM nicht mehr halten. Um der Familie die größte Not zu lindern, kam diese bei Verwandten im Dorf unter, während sich mehrere Landwirte von Schloß Ricklingen bereit erklärten, sich um das Vieh zu kümmern. Ältere Kameraden wurden durch diesen Einsatz an die beiden Großbrände 1983 erinnert, als erst ein als Jugendheim genutztes Fachwerkgebäude in der Buschriede abbrannte und gegen Abend ein Farbenlager eines Schloß Ricklinger Betriebes an der Burgstraße zu schwelen begann. Dieser Einsatz wurde erst als Großbrand gemeldet, stellte sich aber glücklicherweise als „relativ“ harmlos heraus. Dennoch waren die Ortswehren Garbsen und Horst mit vor Ort, was sich bei dem Arbeitsaufwand als vorteilhaft erwies.

Einer der größten Einsätze unserer Feuerwehr folgte im Sommer 1997 als nach Ausbesserungsarbeiten auf der Turnhalle am Planetenring in Garbsen die Unterkonstruktion zu schwelen begann und Mitten in der Nacht dann zum Großfeuer sich entwickelte, dass man auf der Anfahrt bereits die Flammen weithin sehen konnte. Dieser Einsatz band sämtliche garbsener Feuerwehren für mehrere Stunden, doch konnten am Ende nur noch die Mauern gehalten werden.
Nur ein Jahr später fuhr ein ähnlich großes Großaufgebot an Feuerwehr- und Rettungsdiensteinheiten bei uns in die Steinfeldstraße, als ein Handwerker eine Garage abreißen wollte und von der herabstürzenden Deckenplatte erschlagen wurde.

Ein großer Einschnitt in die Arbeit der Feuerwehr Schloß Ricklingen war der Umbau des Gerätehauses von 1999 bis 2001. Wegen steigender Schülerzahlen musste die Stadt Garbsen das Schulhaus in Schloß Ricklingen um zwei Klassenräume erweitern. Hierbei mussten leider auch unser alter Schulungsraum und eine Fahrzeughalle weichen, doch dafür bekamen wir einen neuen, helleren Schulungsraum, eine neue TLF-Halle und ein gro.zügiges Treppenhaus, so dass unsererseits keine Einbußen hinzunehmen waren. Allerdings mussten die Kameraden in den 4 Baujahren auf einen regelmäßigen, theoretischen Ausbildungsdienst verzichten.
Die Einsatzausstattung wurde zu Hause eingelagert während die Fahrzeuge in dieser Zeit bei dem Kameraden, Dirk Siemers, in der Scheune untergestellt wurden. Doch nach diesen 4 Jahren konnte die Feuerwehr Schloß Ricklingen endlich ihr neues, umgebautes und damit moderneres Gerätehaus übernehmen. Im Jahr nachdem wir das „neue“ Gerätehaus übernommen hatten, musste eine wahrlich große Suchaktion der Polizei unterstützt werden als sich ein mutmaßlicher Sexualstraftäter im Waldstück zwischen der Burgstraße und der Autobahn versteckte. Hierbei übernahmen die Schloß Ricklinger Suchund Absperraufgaben wobei sie tatkräftig von den Feuerwehren Garbsen, Meyenfeld sowie dem THW Ronnenberg unterstützt wurden. Zum Schluss wurde die Verdächtige Person aber kurz vor Dortmund in einem anderen Waldstück gestellt und die knapp 300 Einsatzkräfte konnten am späten Abend ausdem Einsatz entlassen werden.

So blieb es über die folgenden Jahre relativ ruhig und die Kameraden konnten die durchschnittlich 14 Einsätze im Jahr, welche vor allem Flächenbrände, Ölspuren und vereinzelnde Sturmschäden, zur allgemeinen Zufriedenheit absolvieren.
Unser Jubiläumsjahr 2008 begann einsatzmäßig am 30. Januar als wir eine kleinere Ölspur in der Steinfeldstraße abgesichert haben. Am 06.03. wurden wir zu einem Verkehrsunfall auf der Burgstraße gerufen, wo sie Teile der beteiligten Fahrzeuge bergen und die Straße wieder befahrbar machten. Allerdings sollten sie die Ölspuren nicht noch weiter verschonen; erst mussten einige, größere Ölflecken entlang der Burgstraße (22.03.) abgesichert werden und nur 16 Tage später zog sich der Schmierstofffilm von Hannover kommend komplett durch das gesamte Einsatzgebiet der Stadt Garbsen bis nach Wunstorf. Doch wer jetzt glaubt, damit hätte die Feuerwehr Schloß Ricklingen ihr Einsatzpensum erfüllt, der irrt. Denn jetzt begann die Jahreszeit der Flächenbrände: Am 12.06. löschten wir loses Stroh in der Feldmark, einen Tag später alarmierte uns die Leitstelle erneut, da sich die Reste wieder neu entfacht hatten. Darauf folgte am frühen Morgen des 18.Juni der Brand eines gestohlenen, gewerblich genutzten Kleinbusses im Kiebitzmoor und am 29.06. ein Wasserschaden im Abrisshaus am Brandmoor wo Jugendliche mit einem Feuerlöscher den Hauptwasserhahn abschlugen. Größerer Schaden konnte nur durch das Absperren des Hauptschiebers für diese Straße verhindert werden. Am 01.07. brannte dann ein kleines Stück des Sportplatzes an der Schule, welches von den zuerst eintreffenden Kameraden mit der Kübelspritze schnell gelöscht werden konnte.
Aber die Feuerwehr Schloß Ricklingen ist nicht nur für Ölspuren und Flächenbrände gut vorbereitet, sie zeigte sich 2008 auch tierlieb, indem unser stellvertretender Ortsbrandmeister am späten Abend des 16.Juli noch aufopferungsvoll um einen verletzten Fuchs kümmerte. Am 13.08. wurden wir im Rahmen des Stadtalarms zur Unterstützung beim Scheunenbrand in Heitlingen angefordert, was eine sehr lange Anfahrt zur Folge hatte wohingegen der Verkehrsunfall in der Karl-Prendel-Straße am 10. Oktober direkt nach dem Dienst unsere kürzeste Anfahrt war.

Den Jahresabschluss hatten wir in diesem Jahr am Nikolaustag, als wir schon vormittags zu einer Tür.ffnung in den Schwalbenweg gerufen wurden. Zum Glück stellte sich heraus, nachdem wir auf Anweisung der Polizei die Tür geöffnet hatten, dass die Person bereits einen Tag vorher ins Krankenhaus gegangen war und somit nur noch sein Hund zu versorgen war.

Damit endete das Jahr 2008, doch bereits in der Silvesternacht kurz nach Mitternacht rief uns eine verirrte Silvester-Rakete an den Tennisanlagen zu unserem ersten Einsatz im Jahr 2009.

Allerdings kann keine Feuerwehr ihre Einsatzbereitschaft aufrechterhalten, ohne die regelmäßigen Übungsdienste und ab und zu mal eine Alarmübung, so dass am 26.09. 2008 uns ein Absturz von Flugzeugteilen mit anschließendem Waldbrand als Einsatzübung des Süd-West-Abschnittes der Stadt Garbsen ins Schwitzen brachte und nur 11 Tage später folgte eine Alarmübung des Gefahrgutzuges am Ende des Lönsweges, bei der wir den Brandschutz sichergestellt haben.

In so einer Chronik über die vielen Jahre kann man nicht alles erfassen, was geschehen ist. Das Wichtigste ist, den Feuerwehrkameraden am heutigen Abend zu danken, die sich für die Allgemeinheit in ihrer Freizeit kostenlos und ohne Umstände dafür einsetzen anderen bei Gefahr zu helfen.

So leisten derzeit 36 Feuerwehrmitglieder ihren aktiven Dienst in unserer Wehr, wobei sich davon 2 überrtlich in der Sondereinheit Gefahrgutzug und einer bei der Einsatzleitung vor Ort engagieren.

Zusätzlich muss die Jugendarbeit immer gefördert werden. Wer in ganz frühen Jahren nicht den Weg zur Feuerwehr, zur Hilfe an Mensch und Objekt gezeigt bekommt, der denkt, es ist alles selbstverständlich. Aber ohne unsere Gemeinde, die für den Brandschutz erhebliche Mittel zur Verfügung stellt, geht es nicht.

  • August 2018
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